news arbeiten präsentationen ausstellungen vita bibliographie kontakt
english

KunstSchicht - Kunstverein des Bochumer Kulturrat e. V. 2008

Thema der KunstSchicht ist auch in diesem Jahr die Idee der Grenzüberschreitung, so wie sie sich auch schon in den Vorjahren auf verschiedenen Ebenen artikuliert hat: auf der Ebene des institutionellen Rahmens, der künstlerischen Gattungen und der Präsentationsräume, zwischen den Arbeitsweisen verschiedener Künstler. Ziel dabei ist, neue Anschauungen und Rezeptionsmodi, Diskursanregungen, produktive Austauschsituationen herbeizuführen. In jedem Jahr wurden dafür unterschiedliche thematische oder konzeptionelle Anknüpfungspunkte gefunden. Hiervon ausgehend werden die Projekte in experimenteller Form an unterschiedlichen Orten, Produktions- und Rezeptionszusammenhängen zur Umsetzung gebracht. In diesem Jahr wird Farbe - im weiteren Sinne und als elementares Ausdrucksmedium - den verschiedenen künstlerischen Projekten als Schnittstelle und Reibungsfläche zugrunde gelegt. Dabei sind die Zugangsweisen zu diesem Thema höchst unterschiedlich.

Stephanie Abben hat für die Galerie ein Wandbild vor Ort gefertigt. Das Bild entwickelt sich ausgehend von einem vage vorformulierten Projekt erst aus der Begegnung mit der Farbe und der räumlichen Situation heraus. Schon lange hat die Künstlerin nach einem Weg gesucht, Farbe aus der Begrenzung der Leinwand zu lösen und sich dialogisch im jeweiligen Umfeld einzurichten. Farbe als Wandmalerei gewinnt eine eigene Vitalität, beginnt sich auszudehnen, in ihrer energiegeladenen Wirkung den gesamten Raum zu besetzen und zu transformieren. Dabei arbeitet Stephanie Abben grundsätzlich nicht mit der Sprühpistole, sondern die Wand wird mit bewusst gesetzten Pinselstrichen bemalt, wobei diese sich sukzessiv zu einem homogenen, extrem verdichteten Farb-Form-Geschehen zusammenfügen. Daraus folgert, dass der Gestaltungsprozess eng mit ihrer eigenen körperlichen Bewegung verbunden bleibt. Das Malen hat einen performativen Charakter, gestaltet sich als Handlungsvollzug, der sich in der Anschauung des Betrachters jeweils reaktualisieren kann. Die Wechselwirkung der Farben und Formen eröffnet darüber hinaus ästhetische Bezüge zu Natur und Landschaft. Der Bezugsrahmen bleibt grundsätzlich offen. Formen, Gestaltungen werden angerissen, um jedoch im Zustand des Amorphen, Ephemeren zu verbleiben. Dies eröffnet Möglichkeiten einer assoziativen Betrachtungsweise, zumal sich Aspekte von Flora und Fauna andeuten und dadurch die Bildwirkung im narrativen Sinne erweitern. Stephanie Abben dringt malerisch in den gegebenen Raumwinkel ein, schafft eine überlappende Räumlichkeit, die den Betrachter in sich aufsaugt und ihn in ein szenisches Handlungsfeld involviert. Dabei vermitteln sich ihm die unterschiedlichsten Vorstellungen, die einen vielschichtigen Dialog befördern. 

Dr. Christoph Kivelitz, 2008

Stephanie Abben 2017